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Dekanatskirche St.Ägidius in Görkau

 Die Stadtkirche St. Ägidius ist das älteste Baudenkmal in Jirkov (Görkau). An dieser Stelle stand ursprünglich ein kleines frühgotisches Kirchlein aus der Zeit um 1300, das auf einer Insel als befestigte Kirche erbaut wurde. Der Zugang dazu erfolgte über die kleine Brücke. Das Kirchlein wurde 1538 im spätgotischen Stil umgebaut und ältere Teile des Gebäudes wurden einbezogen. Der Turm wurde 1540-1545 ausgebaut und erst 1583 überdacht. 1642 musste die Überdachung neu vorgenommen werden, denn die Kriegsereignisse beschädigten sie stark. Vom 1642 bis 1837 meldete der Turmwächter von allen Ecken dieses viereckigen Turmes jede volle Stunde von 22 Uhr Abend bis 4 Uhr Früh.

Um 1650 wurde sie erweitert und im Barockstil umgebaut. Um 1660 wurde auf der Südseite des Schiffs eine Rothenhauser Kapelle und auf der Nordseite eine Kapelle von Johannes von Nepomuk mit einem getrennten, heute bereits schon vermauerten, Eingang von dem Kirchenplatz ausgebaut. 1784 wurde eine neue Orgel in die Kirche beschaffen und 1823 wurde die Kirche neu gepflastert. Die Kirche wurde mehrmals ausgebessert - 1590 noch durch Protestanten, dann 1661, 1777, 1850, 1885, 1919, 1947 und Anfang der 90er Jahre, wo Urkunden gefunden wurden, die bei den einzelnen Reparaturen hineingelegt wurden. Es handelt sich um eine einschiffige Kirche, die mit einem unbedeutenden Presbyterium abgeschlossen ist. Sie hat einen mächtigen Vorhof und dreistöckigen Turm mit einem Umgang und einer Kuppel mit Laterne. Das Äußere ist einfach, das polygonale Presbyterium und die Schiffsecken sind mit Stützpfeilern verfestigt. Die Fenster sind spitz ohne Fenstermaßwerk.

Der Eingang in die Kirche erfolgt von dem nördlichen Vorhof aus durch ein spitzes spätgotisches Portal aus der Zeit des Aufbaus und durch das Hauptportal in der Westfassade, das aus der gleichen Zeit stammt. Das Schiffsinnere wurde im Barockstil im 18. Jh. umgebaut und ein Kappengewölbe mit Gewölbegurten gefertigt. Die Tribüne im westlichen Teil des Schiffes ist mit Kreuzkammwölbung auf prismatischen Pfeilern unterwölbt. 1909 wurde das Stadtwappen von der alten Mädchenschule auf die Nordseite des Turmes übertragen.

In der Kirche wurden einige Angehörige der Adelstämme beerdigt, die die Geschichte der Stadt bedeutend beeinflussten. Sie haben hier ihre Grabsteine, z. B. Renaissancegrab-stein von Wenzel von Weitmühl vom 1532 (Gestalt des Ritters), Christoph von Karlsthal - (Gestalt des knienden Ritters) - Sandstein vom 1578. In der Rothenhauser Kapelle sind unter dem Boden Heinrich von Rothenhan, seine Gattin Gabrielle Czernin und ihre Tochter Gabrielle von Buquoy beerdigt - Gusseisenplatte vom 1836 und Jan von Nepomuk von Trauttmannsdorf - Marmor vom 1846. In der Rothenhauser Kapelle befindet sich ein Gemälde die Opferung Mariä von Dominik Zampieri vom Anfang des 17. Jahrhunderts. In der Kirche befindet sich ein spätgotisches polychromes Holzkruzifix vom Anfang des 16. Jahrhunderts - ein Werk aus dem Kreis von U. Creutz. Über dem Eingang in die Sakristei ist ein ovales Ölgemälde Christi Geburt, das wahrscheinlich aus dem Kreis von J. P. Brandl vom Anfang des 18. Jahrhunderts stammt.

Bei der Kirche steht die Mariensäule - ein künstlerisch wertvolles Werk des tschechi-schen Barockbildhauers Johannes Brokoff vom 1695. Dieses Werk wurde als Andenken an die Greuel des dreißigjährigen Krieges und der Folgejahre geschaffen.

Lichtbilder unter Verweis: "Kirchen und Kapellen" - "Kostely a Kaple"

 


 

Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Quinau

 Die Kirche wurde an Stelle einer Kapelle erbaut, deren Entstehung ins 14. Jahrhundert entfällt. Durch allmähliche Umbauten und Vergrößerung der Kapelle ist eine Kirche entstanden, wie wir sie heute kennen. An der Vergrößerung der Kirche beteiligten sich insbesondere bedeutende Persönlichkeiten der damaligen Zeit, jedoch auch Durch-schnittmenschen, die auf die örtliche Dominante gehörig stolz waren. Seit ihrer Entste-hung ist die Kirche ein bedeutender Wallfahrtsort. Hier wird die Schutzheilige der hiesi-gen Kirche, die Heilige Jungfrau, verehrt. Gegenwärtig befindet sich die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in einem sehr schlechten Zustand, weil sie in der Vergangenheit nicht gepflegt wurde.

 

Im 16. Jahrhundert, wo der erste Gottesdienst in der Kirche stattfand und ein Wunder geschah, bei dem ein Blinder seine Sehkraft wieder erwarb, wurde die Kirche zur Wall- fahrtskirche. Seit dieser Zeit finden hier alljährlich die Wallfahrten an den drei ersten Wochenenden im Juli statt.

 

Zahlreiche Prozessionen, die ins Erzgebirge wanderten, hatten das gleiche Ziel: Die Wall- fahrtskirche Mariä Heimsuchung in Květnov, die auf einem teilweise mit Laubbäumen

bewachsenen Hügel steht. Dieser Wallfahrtskirche verdanke die Gemeinde der Tatsache, dass sie nicht nur über die Grenzen des Kreises, sondern auch des Landes hinaus bekannt war. Während der Wallfahrten waren zahlreiche Buden für die Krämer mit ver-schiedensten Waren in der Umgebung der Kirche und dem Weg entlang aufgestellt. Auf dem Dorfplatz konnte man diverse Volksattraktionen zur Belustigung erleben.

 

Am 31.3.1784 und erneut am 26.7.1785 handelte man vom Abschluss der Kirche in Květnov (ähnlich wie bei vielen anderen zur damaligen Zeit) und von der Übertragung der kleinen Statue in die Kirche im nah gelegenen Blatno (Platten). Jedoch gerade zu dieser Zeit brach eine Typhusepidemie aus, die erhebliche Verluste an Menschenleben verursachte. Das Volk begann daher sehr intensiv zu beten und Wallfahrten nach Květnov zu unternehmen. Dies aber auch trotz einer teilweisen Zurückhaltung der Geistlichkeit, trotz Warnung unter Hinweis auf die damaligen geltenden Gesetze sowie trotz den Verboten seitens der kommunalen Behörden. Das fromme Volk war davon überzeugt, dass es sich durch innige Gebete an einem begnadigten Ort die Befreiung von der ansteckenden Krankheit ausbitten wird. In der Woche der Mariä Heimsuchung wur-den in der Kirche in Květnov 8.000 Gläubige bei der heiligen Beichte und Kommunion gezählt.

 

1813 brach in Chomutov wieder eine ansteckende Krankheit aus, die die verletzten Soldaten hierher verschleppten. Die Stadt hat sich daher der Jungfern Maria von Quinau gewidmet und am 1. Adventsonntag wallfahrten die Menschen von hier aus im außeror-dentlichen feierlichen Umzug in die Berge.

 

Auf Empfehlung der kommunalen Behörden hat die Landesregierung ein Dekret am 6. August 1807 erlassen, nach dem die Kirche in Quinau geöffnet bleiben durfte. Es wurde jedoch eine Auflage erteilt, dass die Gemeinde Květnov für die Wartung der Kirche zu sorgen hat.

 

Am 10. August 1814 wurde die Kirche von Quinau bei der Behörde von Rothenhaus in der Gegenwart eines kaiserlichen Kommissars, des Pfarrers aus Platten, sechs Repräsen- tanten des Kirchenchors und einiger Würdenträger ihrer ursprünglichen Bestimmung mit einer oben erwähnten Auflage übergeben. Dies alles erfolgte in einem feierlichen Akt und die Kirche wurde den sechs damaligen Gemeinden, die das Patronatsrecht zu Květnov hatten, in ihren Besitz übergeben.

 Lichtbilder unter Verweis: "Kirchen und Kapellen" - "Kostely a kaple"

 


 

Neue St.-Nikolaus-Kirche in Göttersdorf

 Der erste schriftliche Bericht über Boleboř stammt aus 1352 und lautet: "Gotfridi villa". Neben dieser lateinischen Benennung erscheint jedoch bereits 1386 in einem Saazer Grundbuch die Benennung "Boleborz". Diese doppelte Benennung wurde bis zum 17. Jahrhundert verwendet. Neben Gottirsdorf, Gotterstorff u. ä. trat auch die Benennung "Boliborz", Boleborss" usw. auf. Tschechische Benennung bezeichnete wahrscheinlich nur einen Wald von Bolebor und erweiterte sich erst später auch auf die Ansiedlung, die dort entstand. Es scheint, dass die tschechische Ansiedlung in der Zeit der deutschen Kolonisation wesentlich erweitert wurde und den Namen ihres Lokators Gottfried - Gottfriedsdorf - Gottfriedova ves - angenommen hat. Im 19. Jahrhundert erscheint eine tschechische Neubildung: Boleboří.

 

Am alten über Boleboř führenden Handelsweg von Meißen nach Prag gab es hinter der Kirche eine Wachburgstätte. Eine tiefere archäologische Erkundung wurde hier jedoch noch nicht durchgeführt.

 

Die Pfarrgemeinde in Boleboř ist bereits im 1357 nachgewiesen (als "Plebsgemeinde" - d. h. ländliche Pfarrgemeinde). Ein Pfarrer für Boleboř wurde 1384 bestätigt. Die ältesten  erhaltenen Matrikeln stammen vom 1775. Die Pfarrkirche, die mehrmals ihr Aussehen geändert hat, ist vom Anfang an dem heiligen Nikolaus geweiht.

 

Die Pfarrgemeinde gehörte ursprünglich unter die Herrschaft der Burg Žeberk (Seeberg). In den Jahren 1374 - 1379 wird z. B. Ota von Bernov, Besitzer dieser Herrschaft, als Patron der Kirchen in den Dörfern Boleboř und Bernov (Bernau) angegeben. 1383 kaufte Těma von Kodlice Starý sowie Nový Žeberk (Alt- sowie Neu-Seeberg) und auch er ist als Patron der hiesigen Kirche angeführt. In den Jahren 1565 - 1622 hatte die hiesige Pfarrei protestantische Pastoren und die Seelsorge erstreckte sich auch auf Orasín, Pyšná, Mezihoří, Bernov, Svahová, Načetín und Kalek (Uhrissen, Stolzenhan, Gersdorf, Bernau, Neuhaus, Natschung und Kallich).

 

Der dreißigjährige Krieg zerstörte Boleboř ziemlich viel. Die Kirche brannte nieder. Eine neue Pfarrei wurde 1716 und eine neue - bereits barocke - Kirche in den Jahren 1725 - 1729 gebaut. Die Baukosten trugen die Kirche sowie die Obrigkeit. 1794 war Boleboř samt der Kirche und Pfarrhof unter dem Patronat der Obrigkeit von Ahníkov (Hagens-dorf).

 

An der Straße Richtung Jindřišská (Heinrichsdorf) steht eine Barockstatue Sankt Donatus vom 1744. An dieser Stelle ist es ganzjährig windig und im Winter bildet hier der Wind hohe Schneewehen, die den Zugang zur Gemeinde mehrere Stunden verhin-dern. Nach einer Sage wurde die Statue gerade hier erbaut, damit Sankt Donatus die Gemeinde vor Ungunst des Wetters schützen kann.

 

Nach einer außerordentlichen Dürre und beim starken Wind 1947 und bei einer Brand-serie in den anderen Dörfern traf das Feuer auch Boleboř und hier die Kirche, Pfarrhaus, Pfarrscheune und 12 Wohnhäuser. Diesen Brand bekämpften 30 Feuerwehrkorps. Die Ruine der Kirche sowie der niedergebrannten Häuser standen in der Gemeinde bis 1959, wo sie entfernt wurden.

 

Es hat mehr als 30 Jahre gedauert, bis ein Gedanke bezüglich Aufbau einer neuen Kirche entsprungen ist. Dank der Sponsorenhilfe seitens der ehemaligen deutschen Bevölkerung konnte am 23. August 1993 ein neues St.-Nikolaus-Kirchlein feierlich eingeweiht werden. Der Bischof von Litoměřice, ThDr. Josef Koukl, hat die Kirche einge- weiht und die erste heilige Messe zelebriert. Die Kapelle wurde an der gleichen Stelle wie die ehemalige Kirche erbaut und es ist die einzige Kirche, die nach der Wende 1989 auf dem Gebiet der Diözese von Litoměřice gebaut wurde. Dem Kirchlein wurde 1999 ein Turm - Glockenturm zugebaut und im August 2000 wurde darin eine Glocke von Orasín platziert und eingeweiht.

 

Heutzutage werden hier die Messen stets am letzten Sonntag im Monat um 15.00 Uhr durch den Pfarrer aus Jirkov zelebriert. Jedes Jahr etwa um 23. August findet hier eine feierliche tschechisch-deutsche Messe unter Beteiligung der Tschechen sowie der ehema-ligen deutschen Bewohner statt. Eine Pilgerfahrt von Jirkov in die Kirche findet jeweils am Feiertag des heiligen Nikolaus statt. Eine Sondermesse wird dann zu Weihnachten und Ostern zelebriert.

 

Die Pfarrgemeinde von Boleboř erstreckt sich heute auf Boleboř, Mezihoří, Orasín, Pyšná, Svahová und Zákoutí (Bernov).

Lichtbilder unter Verweis: "Kirchen und Kapellen" - "Kostely a Kaple"

 

Ich bedanke mich beim Herrn Ralf Kohout für die Übersetzung! (P.Dvoulety, Pfarrer)